Das Bischof-Benno-Haus

Das Bischof-Benno-Haus, sorbisch Dom biskopa Bena, ist eine aus dem ehemaligen Gut Schmochtitz hervorgegangene Anlage des Bistums Dresden-Meißen, die vornehmlich als katholische Bildungs- und Tagungseinrichtung bzw. als Veranstaltungsort und Herberge genutzt wird.
Es liegt innerhalb des ehemaligen Ritterguts im Bautzener Ortsteil Schmochtitz, etwa 6 km nordwestlich von Bautzen.

Das heutige Bischof-Benno-Haus, zunächst Mitte der 1980er Jahre als Erholungsheim für Eltern und Kinder mit Behinderung gedacht, wurde in den 1990er Jahren an Stelle der Ruine eines ehemaligen Herrenhauses aus dem Jahr 1770 errichtet. 1992 fand dessen Einweihung statt. Namenspatron der Anlage ist Bischof Benno von Meißen.

Nach Vorbild des historischen Ensembles errichtet, fußt die Anlage auf einer mittelalterlichen Wehranlage, deren Standort unter dem heutigen Haupthaus bzw. in dem ehemaligen Obstgarten der heutigen Parkanlage, die südwestlich des Haupthauses in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt wurde, vermutet wird. Möglicherweise befand sich an dieser Stelle in Schmochtitz eine Zollstation der Via Regia; ein Fund mittelalterlich geprägter Münzen lässt darauf schließen.

Zunächst sind seit dem 14. Jahrhundert versippte Familien aus dem Oberlausitzer Adel als Eigentümer des Gutsdorfes Schmochtitz verzeichnet, darunter die Familie von Schreibersdorf und die Herren von Pannewitz. Das Rittergut wurde erstmals 1568 erwähnt. Im 17. Jahrhundert waren Familienangehörige der von Pentzig (Wiegandt Adolf von Pentzig), im 18. Jahrhundert die von Warnsdorf Besitzer, bevor 1753 Anton Christian von Kleist das kriegsbeschädigte Rittergut an Matthias Joachim Ernst Manteuffel-Kiełpiński verkaufte, der es bereits zehn Jahre später an Peter August von Schönberg veräußerte.

Schönberg ließ – unter Zurhilfenahme des Baukondukteurs Matthäus Daniel Pöppelmann d. J. – Anlage und Park großzügig im Stil des Rokokos umgestalten. Durch Einheirat gelangte die Familie von Kielmannsegge 1802 in den Besitz der Gutsanlage, die 1812, ein Jahr vor der Schlacht bei Bautzen, beschädigt wurde. Während der Schlacht wurde das Gut als Lazarett genutzt, 1813 aber durch französische Truppen zerstört, die gegnerische Waffen und Uniformen dort gefunden hatten. Park und Schloss wurden anschließend wieder aufgebaut, bevor 1821 der Verkauf durch Auguste Charlotte von Kielmannsegge an Johann Sigismund Graf Riesch auf Neschwitz erfolgte. Der ließ die Parkanlage im englischen Stil umgestalten. 1892 war der Zwickauer Fabrikant Wilhelm Otto Thost Eigentümer der Anlage, der weitere Umbaumaßnahmen an den Wirtschaftsgebäuden ausführen ließ und wesentliche Barock- bzw. Rokokoelemente der Parkanlage zeitgenössisch als Landschaftspark umgestaltete. So wurden beispielsweise die Wasseranlagen um den Ringgraben im nördlichen Parkteil erweitert, das vorhandene Kanalsystem und zahlreiche Denkmäler akzentuiert bzw. ergänzt (etwa um ein Denkmal für die Gefallenen im Ersten Weltkrieg). Im Jahr 1921 erwarb das Bistum Meißen unter dem Bischof Christian Schreiber die Anlage, in der zwischen den Jahren 1927 und 1945 Priesteranwärter ihre Ausbildung erhielten. Nach dem Krieg blieben die Ländereien des Guts als Kirchengut erhalten, weil der etwa 100 ha große Besitz als einziger von der Bodenreform im Kreis Bautzen verschont wurde. Am 6. Mai 1945 wurde das ehemalige Rittergut durch Bombenangriffe nahezu völlig zerstört. Einzig die außerhalb des heutigen Gebäudes gelegene Kapelle blieb von Zerstörungen verschont und wurde im Zuge des Wiederaufbaus saniert. Das Kirchengut wurde 1953 Teil der sogenannten Kircheneigenen Land- und Forstwirtschaft im Bistum Meißen.
Noch heute ist an der Anlage, bestehend aus Haupt- oder Herrenhaus, Kapelle, Orangerie, Nebengebäude (teilweise von 1893) und Park die Formensprache des Barocks aus der Zeit der Familie von Schönberg erkennbar. Das schlicht gehaltene Herrenhaus steht dabei im Mittelpunkt der Gesamtanlage. Daran findet sich umfassend eine Landschafts- und Gartengestaltung, die durch Alleen bestimmt ist und sich in einen nordöstlichen und südwestlichen Teil gliedert.
Das Haupthaus, ein Putzbau mit Walmdächern und Fledermausgauben, wird mittels einer ausgedehnten zweizügigen Freitreppe mit vorgelagerter Brunnenanlage begangen; seitlich schließen jeweils zurückgesetzte Seitentrakte an. Die neuzeitliche Innenkapelle wurde vom Kirchenraumgestalter Friedrich Press ausgestaltet und besitzt als Christusfigur eine Plastik von Klaus-Michael Stephan. Den südöstlichen Seitenflügel, der mit einem Torbogen abschließt, krönen das Wappen der Familie von Schönberg sowie ein Allianzwappen der Reichsgräfin Auguste Charlotte von Kielmannsegge, verwitwete Lynar, geborene Schönberg. An der neuzeitlichen Kapelle, senkrecht zur Durchfahrt auf rechteckigem Grundriss als eingeschossiger Anbau mit Walmdach und Korbbogen- bzw. Rundfenstern errichtet, befindet sich das (fehlerhafte) Wappen des Bischofs Christian Schreiber als Bischof von Meißen.

Als Verbindung zwischen südlicher Freianlage und Haupthaus dient eine Lindenallee, flankiert von ehemaligen Wirtschaftsgebäuden, die an einer Sandsteinpalme endet, welche an den Besuch des Kurfürsten Friedrich August III. mit folgender Inschrift erinnern soll:

Dem danckbaren Andencken der Begegenwart des helsten Fürsten Friedrich August mit welcher Er von der liebsten Gemahlin begleitet am Tage der Buditzener Huldigung Schmochtitz begnadigte wiedmete dieses Denckmal Peter August von Schoenberg.“

Eine Knabenfigur mit Medaillon zeigt dort – mit reitendem Kurfürsten; OPTIMI PRINCIPIS′ – die Jahreszahl 1769. Die Allee überquert ein Wassergraben mit zwei Bogenbrücken. Weitere Bestandteile der Anlage sind ein Teich, ein Wasserrondell in der Allee, die Insel mit dem Gefallenendenkmal und ein weiterer Gedenkstein am Ende des Parks.

Nördlich des Haupthauses bzw. ehemaligen Schlosses befindet sich ein Gartenpavillon; eine Hommage an den ehemaligen Sonnentempel. Im Zuge des Wiederaufbaus des Haupthauses wurden Grünflächen mit zentraler Brunnenanlage im Barockstil neu angelegt. Eine Sphinx (gestaltet durch Schüler des Balthasar Permoser) soll an den Sieg Napoleons an den ägyptischen Pyramiden erinnern.

 

 

Text und Bilder entnommen – und leicht redigiert – von Wikipedia  (Zugriff:am 22.1.2017)